Interviews

Zuerst bürsten, dann reinigen

Barbara Derham hat immer ein Lächeln im Gesicht. Sie ist Dentalhygienikerin mit mehr als 25 Jahren Berufserfahrung, die sie in Privatpraxen im Vereinigten Königreich und Irland erworben hat.

Zuerst bürsten, dann reinigen

In Irland und international ist sie als ausgewiesene Instruktorin für iTOP (individuell trainierte orale Prophylaxe) tätig. Als ehemalige Vorsitzende der Irish Dental Hygienists’ Association (IDHA) vertritt sie ausserdem die irischen Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker auf der ganzen Welt. Trotzdem findet sie immer Zeit, wenn es darum geht, über ihre Arbeit, die Wichtigkeit der Prävention und die Vorteile von iTOP zu sprechen – zum Beispiel im Rahmen eines Interviews mit uns.

 

Verraten Sie uns mehr zu Ihrem fachlichen Hintergrund und Ihrer aktuellen Tätigkeit?

Ich bin Dentalhygienikerin und derzeit innerhalb des öffentlichen zahnärztlichen Versorgungssystems tätig, wobei ich mich auf Kinder und Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen spezialisiert habe. Meinen Abschluss habe ich vor 25 Jahren gemacht. Damals gab es in Irland noch keine rechtliche Grundlage für den Beruf des Dentalhygienikers, weshalb ich meine Ausbildung an einer zahnmedizinischen Fakultät in Schottland absolvieren musste. Nach meinem Abschluss 1990 blieb ich noch ein Jahr lang im Vereinigten Königreich. Dann wurden Dentalhygieniker auch in Irland zugelassen, und ich kehrte wieder zurück. Einige Jahre lang habe ich in einer Privatpraxis gearbeitet, bis auch das öffentliche zahnärztliche Versorgungssystem sich für Dentalhygieniker öffnete. Seitdem bin ich dort tätig. Nach anfänglicher Vollzeit-Tätigkeit arbeite ich momentan nur noch an zwei Tagen pro Woche, halte mehrmals jährlich iTOP-Kurse, leiste meinen Beitrag in der IDHA und habe drei schulpflichtige Kinder – meine Arbeitswoche ist also gut ausgefüllt. Innerhalb des Verbands bemühen wir uns um die Förderung der Forschung zur oralen Gesundheit. Ich bin sehr beschäftigt, aber es macht mir jeden Tag grossen Spass.

 

Arbeiten Sie gerne mit Kindern?

Das sollte man meinen, schliesslich habe ich bei meiner Arbeit seit zwanzig Jahren mit Kindern zu tun! Kinder sind einfach grossartig, weil sie sehr ehrlich sind, auch wenn sie mir nicht die Antworten geben, die ich gerne hören würde. Wenn man sie nach dem täglichen Zähneputzen fragt, bekommt man nicht selten zu hören: „Vielleicht einmal am Tag.“ Ausserdem sind sie offener für Neues, wohingegen ihre Eltern sich mit Veränderungen eher schwer tun. Kinder lernen wirklich schnell. Ich arbeite viel mit Plaque-Detektor-Lösung. Sie ist das perfekte Lehrmittel sowohl für die kleinen Patienten als auch für ihre Eltern bzw. Betreuer. Ich fange mit „Touch to teach“ an und übe die richtige Haltung der Zahnbürste. Sie haben die Technik ja so schnell raus. Mit ihnen zu arbeiten ist einfach toll.

Kinder und Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen stellen uns sowohl im Hinblick auf die orale Behandlung als auch auf die Mundhygiene vor Herausforderungen. Manchmal muss man unkonventionelle Lösungen finden, um im stressigen Alltag der Betreuer noch Platz für die Mundhygiene zu finden. Morgens müssen Kinder wegen der Verkehrsanschlüsse oft früh raus, und abends ist die Zeit möglicherweise für Arzneimittelverabreichungen vorgesehen. Die gemeinsame Ausarbeitung eines individuell zugeschnittenen Mundhygieneplans erfordert unter Umständen Zeit und Geduld, bringt aber sehr befriedigende Ergebnisse.

 

Wann haben Sie angefangen, mit iTOP zu arbeiten?

Vor drei Jahren habe ich am internationalen Dentalhygiene-Symposium in Südafrika CURAPROX kennengelernt, und man schlug mir vor, einen Kurs im Vereinigten Königreich zu besuchen. Ich war sofort begeistert. Zwei Wochen später besuchte ich in Prag, in der Tschechischen Republik, den Teacher-Kurs und kam anschliessend nach Irland zurück. Seit 2014 bieten wir iTOP-Kurse auch in Irland an. Bislang haben wir eine ganze Reihe von Kursen durchgeführt, die sehr gut angekommen sind. Ich treffe immer noch Kollegen, die mit Begeisterung davon sprechen. Sie haben den Nutzen der Kurse erkannt und möchten wiederholt teilnehmen, um noch einmal am eigenen Leib zu erfahren, wie das Bürsten sich anfühlen sollte.

In der Regel bitte ich sie, zuerst selbst ihre Zähne zu putzen; dann beurteilen wir den dabei ausgeübten Druck. Wenn ich ihnen anschliessend die Zähne putze, spüren sie den Unterschied. Dann führe ich ihnen die Hand – und plötzlich fällt der Groschen. Auf einmal bewegt man die Bürste bewusst, man merkt eine Veränderung. Einige der Trainingsvorschläge von iTOP waren grossartig. Ich empfehle den Patienten besonders gerne, ihre Zähne einmal im Dunkeln zu putzen. Das fühlt sich ganz anders an. Und allmählich lernt man so, die Zähne achtsam zu putzen.

 

Sie haben auch als Instruktorin an den „iTOP-for-Students“-Veranstaltungen in Prag mitgewirkt, die zweimal jährlich stattfinden. Wie haben Sie die Arbeit mit den Studenten erlebt?

Ich arbeite unheimlich gerne mit Studenten. Anfangs kann es etwas mühsam sein, aber wenn man beharrlich bleibt, merkt man den Fortschritt. Das Schöne an den iTOP-Veranstaltungen in Prag ist, dass die Gruppen so klein sind. Bei nur sechs Teilnehmern in der Gruppe kann man sich um jeden einzelnen gezielt kümmern. Sie verstehen dann, was es für einen Unterschied macht, die Patienten zu schulen, statt einfach nur zum Scaler zu greifen. Wir sind ja alle in erster Linie klinisch ausgebildet. Man lernt, wie man den Scaler einsetzt – dabei ist es viel schwieriger, eine Zahnbürste korrekt zu handhaben. Zuerst bürsten, dann reinigen.

 

Welchen Stellenwert haben Dentalhygieniker Ihrer Meinung nach derzeit in Irland?

Die Situation hat sich verbessert. Vor einigen Jahren hat uns eine Änderung der steuerlichen Situation Probleme bereitet. Dentalhygieniker waren immer als Freiberufler eingestuft, doch aufgrund einer vor kurzem erfolgten Änderung durch die Steuerbehörde wurden viele plötzlich zu Angestellten. Das mag zwar wie eine unbedeutende Änderung erscheinen, brachte aber eine Phase der Unsicherheit mit sich, sowohl für die Zahnärzte als auch für die Dentalhygieniker, insbesondere für diejenigen, die gleichzeitig in mehreren Praxen tätig waren. Das wirtschaftliche Klima war einige Jahre lang ungünstig, doch jetzt regt sich der keltische Tiger wieder. Es besteht Interesse an der Dentalhygiene, und die Patienten sind motiviert und kommen regelmässig wieder. Ausserdem haben wir ein gutes Verhältnis zur Irish Dental Association. In so einem kleinen Land muss man zusammenarbeiten. Wir pflegen gute Beziehungen miteinander und sie unterstützen uns.

 

Hören Zahnärzte auf Dentalhygieniker?

Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal während einer zahnmedizinischen Konferenz an einem CURAPROX-Stand gearbeitet. Alle Zahnärzte, die ich getroffen habe, arbeiteten mit Dentalhygienikern zusammen. Sie wollten unsere Produktmuster in die Praxis mitnehmen und ihre Hygieniker über CURAPROX und die iTOP-Kurse informieren. Meiner Meinung nach haben sie die Dentalhygiene voll akzeptiert. In Irland erfüllen Dentalhygieniker ganz bestimmte Aufgaben, z. B. Zahnreinigung und -politur, supra- und subgingivale Plaque- und Zahnsteinentfernung, geeignete prophylaktische Massnahmen und Aufklärung über orale Gesundheit. Die Zahnärzte verweisen Ihre Patienten nach der Erstuntersuchung mit einem Behandlungsvorschlag an uns. Wir müssen also zusammenarbeiten und unseren Patienten als Team gegenübertreten.

 

Wird der Prävention in Zukunft mehr Gewicht beigemessen werden?

Ich würde mich freuen, wenn mehr öffentliche Gelder in Behandlungen und Initiativen zur Vorbeugung fliessen würden. Wir haben in letzter Zeit einige Abstriche bei der Finanzierung hinnehmen müssen. Die neue Regierung will aber weiterhin Möglichkeiten ausloten. Im Bereich Prävention gibt es viel zu tun, aber wir bleiben dran. Wir versuchen, bei jedem einzelnen Patienten, der zu uns kommt, etwas zu bewirken. Auf Verbandsebene arbeitet die IDHA weiter mit der Regierung und den Partnerverbänden zusammen, um die orale Gesundheit der irischen Bevölkerung zu verbessern.

 Vielen Dank für das Interview.

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