Interviews

Viele sagen, sie hätten weniger Aphthen

Kriens, 20. Februar 2014 - Neu führt die Schweizer Marke Curaprox gleich drei Zahnpasten im Sortiment, alle hergestellt in der Schweiz. Was ist das Besondere an diesen Zahnpasten? Matthias Mütsch, Dr. sc. nat. ETH und Entwickler dieser Zahnpasten, gibt Antwort.

Viele sagen, sie hätten weniger Aphthen

Matthias Mütsch, Dr. sc. nat. ETH und Leiter Forschung & Entwicklung der Curaden International AG, präsentiert die Enzycal-Zahnpasten mit Inhaber und CEO Ueli Breitschmid (rechts).

Herr Mütsch Sie haben als Leiter Forschung und Entwicklung für die Firma Curaden International AG neue Zahnpasten entwickelt. Was ist das Spezielle an diesen Zahnpasten?
Die Zahnpasten stellen eine Familie dar. Allen gemeinsam ist, dass die Zahnpasten ein Enzymsystem enthalten, das den natürlichen Abwehrmechanismus des Speichels gegenüber Bakterien verstärkt. Zudem legen wir Wert darauf, dass unsere Zahnpasten keine künstlichen Inhaltsstoffe haben, die gesundheitlich oder ökologisch bedenklich sind. So verzichten wir konsequent auf Sodium Lauryl Sulfat, d.h. SLS. Oder wie jüngst in den Medien diskutiert, enthalten unsere Produkte auch keine Plastikpartikel.

Sie erwähnen ein Enzymsystem. Was ist das?
Das Lactoperoxidase-System besteht aus drei verschiedenen Enzymen, die miteinander korrespondieren. Das wichtigste Enzym ist die Lactoperoxidase, ein Enzym, das aus der Milch gewonnen wird. Alle diese Enzyme kommen auch in unserem Speichel vor. Sie produzieren Substanzen, die für die Bakterien im Mund schädlich sind. Die Enzyme helfen mit, nebst der mechanischen Putzwirkung durch die Zahnbürste, die Bakterien in Schach zu halten, sodass keine Karies entsteht.

Es soll ja nicht so einfach sein, Enzyme aktiv zu halten. Wie machen Sie das?
Das ist richtig. Enzyme kommen in unserem Körper in grosser Zahl und in verschiedensten Funktionen vor. Sie unterhalten unseren chemischen Haushalt. Da sie unstabil sind, müssen sie laufend gebildet werden. Die erste grosse Herausforderungen für uns ist, Enzyme einzusetzen, die über die lange Laufzeit einer Zahnpasta stabil sind. Das erreichen wir durch den Einsatz diverser Tricks. Da spielen die Grundstrukturen der Enzyme, Stabilisatoren, die Wahl des richtigen pH-Wertes sowie eine allfällige Absenz von Sauerstoff eine wichtige Rolle. Natürlich ist es auch entscheidend, dass während des Herstellprozesses mit den Enzymen schonend umgegangen wird. Enzyme sind Proteine, die hitzelabil sind.

Sie sagen, Ihre Zahnpasten seien SLS-frei. Was ist das Problem mit SLS?
SLS ist eines der am bewährtesten Schäumungsmittel, die es gibt. Viele Anwender schätzen und erwarten es, dass eine Zahnpasta schäumt. Da tut SLS gute Dienste. Nur, SLS ist auch ein starker Emulgator, der biologische Strukturen stören, sogar Zellen der Mundscheimhaut abtöten kann. So wird SLS ein gewisses Risiko für Aphthen nachgesagt. Grund genug für uns, auf diesen Stoff zu verzichten. Es gibt harmlosere Stoffe, die auch gut sind. Es ist aber schon so, dass unsere Enzycal Zahnpasten nicht gewaltig schäumen. Und das Feedback ist auch erstaunlich: Viele Leute sagen, sie hätten weniger Aphthen, und die wenigen Aphthen würden sogar bedeutend schneller verheilen.

SLS ist doch auch ein ziemlich starkes Tensid, also ein Reinigungsmittel. Man sagt, es werde in der Industrie eingesetzt, um zum Beispiel Maschinen zu entfetten oder ölverschmierte Garagenböden zu reinigen. Ist das so?
Ob SLS tatsächlich in der Industrie für solche Zwecke eingesetzt wird, kann ich nicht bestätigen. Ja, SLS ist nicht nur ein guter Emulgator, sondern sicher auch ein gutes Entfettungsmittel. Von der Chemie her kann SLS für solche Zwecke eingesetzt werden. Seine Eigenschaften sind technisch gesehen so ideal, dass SLS sehr vielseitig zum Einsatz kommt. Mir scheint aber, für die Mundhöhle ist es etwas übertrieben. Und wenn man unter Irritationen der Mundschleimhaut wie zum Beispiel an Aphthen leidet, sollte man einmal eine SLS-freie Zahnpasta ausprobieren. Vielen nützt das.

Bei Ihnen kommt es zur Qual der Wahl: Gleich drei SLS-freie Zahnpasten haben Sie jetzt im Angebot. Was sind die Unterschiede?
Es gibt eine Enzycal 1450, eine Enzycal 950 und eine Enzycal Zero. Alle diese Bezeichnungen haben mit dem Gehalt von Fluorid in den Zahnpasten zu tun. Die Enzycal 1450 enthält folgerichtig 1450ppm Fluorid, das ist die Konzentrationseinheit für Fluorid. Mit dieser Konzentration gesellt sich die Zahnpasta zu vielen anderen. Diese Zahnpasta ist die Standardzahnpasta für den «Otto Normalverbraucher». Die Enzyme verstärken die Fluoridwirkung. Fluorid hat sich in den letzten Jahrzehnten als bewährtes Mittel gegen Karies etabliert. Man muss aber auch sagen, dass Fluorid nichts Physiologisches ist.

Und die Enzycal 950?
Die stellt unsere Empfehlung dar. Ihr etwas reduzierter Fluoridgehalt ist gerechtfertigt, wenn man mit guter, mechanischer Putztechnik eine ideale Mundgesundheit verfolgt. Gerade unsere anderen Produkte wie unsere ultrasanften Zahnbürsten und unsere Interdentalbürsten unterstützen dieses Ziel.

Und die Enzycal Zero?
Die enthält gar kein Fluorid, ist eine Spezialzahnpasta für besondere Bedürfnisse. Die Zero ist für Kunden gedacht, die aus prinzipiellen Gründen kein Fluorid nehmen wollen. Für diese Kunden ist Fluorid Gift und sie bevorzugen in ihrem Leben nur natürliche Produkte. Die Zero dient aber auch Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen und normale Zahnpasten wegen der üblichen Aromastoffe nicht nehmen dürfen. Ich muss aber zudem festhalten, dass ohne Fluorid das Risiko für Karies deutlich höher ist. Da ist eine sehr gute Mundhygiene unerlässlich. Ausserdem sind wir ja auch und vor allem im Export stark. Und es gibt Länder, wie z.B. Russland, die ihr Trinkwasser fluoridisieren. In diesen Ländern gibt es Stimmen, die sagen, dass es dann eigentlich keine fluoridhaltige Zahnpasta mehr braucht.

Sie haben sich für Natriumfluorid statt Aminfluorid entschieden. Warum?
Wir haben keine Affinität zu Aminfluorid wie andere Firmen und es ist aus wissenschaftlicher Sicht unerheblich, welches Fluorid im Einsatz ist. So fiel die Wahl bei uns auf das einfache Natriumfluorid.

Curaprox ist bekannt für wirkungsvolle Mittel gegen Gingivitis, also gegen Zahnfleischentzündungen. Jetzt ist aber keine der Enzycal-Zahnpasten auf Gingivitis ausgerichtet. Wie kommt das?
Das hat mit unserer Geschichte zu tun. Wir haben unseren Fokus auf der mechanischen Zahnprophylaxe, d.h. mit Putzhilfsmitteln wie Zahnbürsten und Interdentalbürsten. Das hat damit zu tun, dass mechanisches Putzen die einzige Methode ist, Zähne und den Zahnfleischrand sauber zu halten. Zahnpasten braucht es also nicht, höchstens als Träger für Fluorid oder einen angenehmen Geschmack im Mund. Keine Zahnpasta kann eine Gingivitis verhindern, das können nur Zahnbürste, Interdentalbürste und/oder Zahnseide.

Wieso machen Sie dennoch Zahnpasten?
Es ist halt angenehm, mit Zahnpasta zu putzen, und viele Zahnpasten haben Komponenten, die zumindest bedenklich sind, SLS zum Beispiel oder Triclosan. Und Curaprox ist der Mundpflegespezialist, bei dem Kunden alles erhalten, was unbedenklich und nicht schädlich ist. Und was sogar noch eine konkrete Verbesserung darstellt, zum Beispiel das Lactoperoxidase-System oder die Wahl von Natriumfluorid.

Warum produzieren Sie die Zahnpasten in der Schweiz?
Wir sind eine Schweizer Firma und das Qualitätsbewusstsein unserer Industrie ist uns wichtig. Wir exportieren in viele Länder der Erde, überall wird die hohe, typisch schweizerische Qualität geschätzt. Das ist für uns ein Erfolgsfaktor, v.a. im Ausland.

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