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Der Biofilm: Aus Freund wird Feind

Was haben Steine in Bächen und Zähne im Mund gemeinsam? Über beide legt sich Biofilm. Während Steine jedoch nur glitschig werden, so kann Biofilm bei den Zähnen zur Ursache von Zahnproblemen werden.

Nützliche Helfer - Was haben Steine in Bächen und Zähne im Mund gemeinsam? Über beide legt sich Biofilm. Während Steine jedoch nur glitschig werden, so kann Biofilm bei den Zähnen zur Ursache von Zahnproblemen werden.

Dieser Belag macht krank – wenn er nicht ordentlich entfernt oder in seinem schichtweisen Aufbau desorganisiert wird. Zunächst entsteht die Pellikel. Dieser hauchdünne Niederschlag, bestehend aus Eiweissen und anderen Bestandteilen des Speichels, legt sich innerhalb weniger Stunden über die frisch gereinigten Zähne: Biofilm, wie er in der Natur etwa auf den Steinen in Bächen vorkommt, hat sich gebildet – gerade mal einige Mikrometer dick, relativ frei von Bakterien und ziemlich leicht abspülbar.

Die Pellikel ist ein Freund. Sie ist grundsätzlich wertvoll, denn als intialer oraler Biofilm schützt sie die Zähne gleich zweifach: einerseits vor Säureangriffen und andererseits davor, dass beim Kauen durch Nahrung oder durch andere Zähne Zahnschmelz abgerieben wird.

Nützliche Helfer - Lebensgemeinschaft Biofilm

Lebensgemeinschaft Biofilm

Doch mit der Zeit wendet sich – zumindest in diesem Fall – das Gute zum Schlechten. Denn bald schon siedeln sich Bakterien an. Eine erste Schicht von Plaque beginnt sich zu bilden.

Wird diese Schicht von Plaque nicht in ihrem Wachstum gestört, sammeln sich auf ihr schnell neue Mikroorganismen an, die sich laufend vermehren. Neue Schichten entstehen, man spricht davon, dass die Plaque sich strukturiert.

Nützliche Helfer - Der Freund wird zum Feind

Der Freund wird zum Feind

In dieser strukturierten Plaque kleben die Bakterien nicht einfach aneinander. Vielmehr bilden sie eine strukturierte Lebensgemeinschaft, in der sie sich gegenseitig systematisch und über eigens gebildete Kanäle mit Stoffwechselprodukten versorgen. Es bilden sich Ketten von Eiweissen und Kohlenhydraten. Diese Ketten dienen als Nahrungsreserven und, besonders problematisch, sie verstärken den Belag mechanisch. Sowohl die Stoffwechselprodukte wie auch die mechanische Verstärkung sind gut für die Plaque, aber schädlich für die Mundgesundheit.

Nützliche Helfer - Die Folgen: Karies, Gingivitis, Parodontitis

Die Folgen: Karies, Gingivitis, Parodontitis

In dieser strukturierten Plaque gibt es Mikroorganismen, deren Wachstum durch einen hohen Zuckerkonsum begünstigt wird. Diese Mikroorganismen sind in der Lage, den Zucker zu verwerten, und dabei scheiden sie Säuren aus, die den Zahnschmelz angreifen: Mineralsalze werden aus der Zahnoberfläche gelöst – es entsteht Karies.

Dazu kommen die Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen. Diese Stoffwechselprodukte reizen die Immunabwehr des Menschen und führen zusammen mit natürlichen Zerfallsprodukten der Zellwand zu einer Entzündung des Zahnfleisches, der Gingivitis. Bleibt die Gingivitis unbehandelt, so kann Parodontitis, die Zerstörung des Zahnhalteapparates, die Folge sein. Ausserdem kommt es häufig zu Mundgeruch, denn die Bakterien in den Zahnbelägen bilden oft intensiv riechende Schwefelverbindungen.

Nützliche Helfer - Mundhygiene heisst Bakterien-Gemeinschaft stören

Mundhygiene heisst Bakterien-Gemeinschaft stören

Zahnbürste, Zahnseide und Interdentalbürste entfernen sowohl sich frisch bildende Plaquestrukturen wie auch ältere strukturierte Plaque – oder desorganisieren zumindest die krankmachende Struktur.

Denn auch darum geht es bei der Mundhygiene: Wird das strukturierte und sich selbst versorgende System von Bakterien in seiner schichtweisen Struktur durch eine gründliche Zahnreinigung nur schon beschädigt, so dauert es Tage, bis sich der Biofilm reorganisiert hat – und sein gefährliches Austauschsystem wieder in Gang kommt.

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